Schon gewusst?
Daft Punk ist übrigends einer der Hauptdarsteller in dem Konsolenspiel »DJ Hero«. Wer sich nach neuen Daft Punk-Liedern verzehrt, sollte dort mal einen Blick hineinwerfen.
Optional warten bis Winter 2010 - Daft Punk entwirft den Soundtrack für den Film TRON Legacy. Schon am Zittern vor Erwartung? Ich auch!
Nellyaa und Daft Punk
... oder auch ›Warum Daft Punk Gott ist‹
Was ist ein Gott? Ein Gott ist in dieser Definition jemand, der die Herzen der Menschen berühren kann. Der sie zum lachen und weinen bringen, der sie beeinflussen kann. Der ihnen Höhe- und Tiefpunkte schenkt. Das ist ein Gott. Jemand, vor dem man niederkniet und seinen Respekt zollt.
Zuerst einmal, bevor man begreifen kann, dass Daft Punk ein solcher Gott ist, muss man sich vorurteilslos elektronischen Klängen hingeben. Man muss sich auf sie einlassen und als Teil eines vollwertigen Liedes betrachten. Niemand, der elektronische Klänge von vorneherein ablehnt, kann Daft Punk erfassen. Die zweite Voraussetzung ist, dass man Geduld mitbringt. Das Vertrauen, den Höhepunkt nicht schon nach einer Minute im Lied erreicht zu haben. Die Spannungskurve vieler Lieder erreicht schon nach kurzer Zeit ihren Höhepunkt und bietet danach nicht mehr als ein paar Versuche Abwechslung zu schaffen und versickert so gegen Ende meistens in Bedeutungslosigkeit - es verliert an Kraft und Stärke, da es sich nicht weiter ausbaut nach dem schnell erreichten Höhepunkt. Die Spannungskurve bei Liedern von Daft Punk dagegen sieht etwas anders aus.
Der Beginn
Ein Lied des Duos beginnt zumeist mit nur ein paar wenigen Klängen, die zusammen mit dem Element Stille zu einer Melodie verschmelzen. Zu Beginn glaubt man, in die tonlosen Felder der Stille zu fallen, wird aber jedes Mal von einem vertrauten Klang wieder aufgefangen und nach oben getragen. Die Abfolge der ersten elektronischen Klänge baut eine Grundvertrautheit mit dem Lied auf, sodass man sich bis zu einem gewissen Grad sicher zu fühlen glaubt. Dieses Spiel erzeugt einen langsamen Spannungsaufbau, denn bei jedem erneuten Emporkriechen gibt es eine kleine Veränderung.
Schließlich wachsen die Klänge an, werden mehrschichtig und raffiniert, man glaubt nicht mehr mitzukommen doch die Klänge tragen einen zielsicher immer höher hinauf. Durch die am Anfang geschaffene Vertrautheit kann man das Lied genießen und braucht keine Angst mehr zu haben, fallen gelassen zu werden.
Das Ende
Schließlich nähern wir uns dem Ende, wir ahnen es schon, wir glauben dem Ende schon zum Greifen nah zu sein. Wir haben immerhin einen so mühseligen, nervenaufreibenden Weg bis hierher bestritten. Wir haben nun lange genug gewartet, nicht wahr? Wollen wir unsere Belohnung? Das Gute ist, dass man bei einem Daft Punk Lied erahnen kann, wann der Höhepunkt folgt und ihn folglich so vor Spannung zitternd erwarten kann in der Gewissheit, dass er nun kommt und sich mental darauf vorbereiten kann. Den Höhepunkt noch groß zu beschreiben ist beinahe sinnlos, da er dich für deinen Weg bis dorthin belohnt, dich in Ekstase versetzt und man sich tanzen und bewegen will, eins mit dem Lied werden will, den Rythmus mehr als nur hören - spüren möchte.
Die Qual der Wahl
Bei Daft Punk klingt jedoch keinesfalls jedes Lied gleich. Es gibt für jene, die es etwas sanfter mögen Lieder wie als auch für jene, die es lieber etwas härter mögen. Daft Punk beweißt, dass man aus nur wenigen Samples raffinierte Meisterwerke erschaffen kann, ob mit oder ohne Text, ob geschmeidig(er) oder grob elektrisch.
Kommen wir jedoch zum selbstgeschaffenen Weltwunder dieses Duos. 2007 hat Daft Punk ein Monument erschaffen. Daft Punk hat sich selbst übertroffen und aus ihren bisherigen Liedern den größten Orgasmus nie dagewesenen Ausmaßes geschaffen. Das Daft Punk Alive 2007 live Album. Daft Punk verschmilzt die vertrauten Klänge zu einem gewaltigen Hörerlebnis, die sich mehr als nur sehen lassen können.
Alive 2007
Man stolpert gleich zu Beginn in den Kampf zwischen zwei Aussagen bzw. Klangerlebnissen - “Human” und “Robot”. Mit der gewohnten Geduld sieht man den zwei Fraktionen dabei zu, wie sie an Schnelle gewinnen, wie das Lied beginnt sich in Höhen zu schrauben. Nach ungewohnt kurzer Zeit schlägt der erste Höhepunkt ein wie ein Hammerschlag. Das wars schon? Nicht doch, Daft Punk legt erst richtig los. Wir verfolgen den Kampf zweier wohlbekannter Lieder, die um die Herrschaft des Moments streiten. Ab und zu wechselt eines der Lieder und bringt neue Höhepunkte mit, wobei sie steht’s eine schöne Instruktion und schönen Abgang mitbringen.
Das gesamte Album - welches ich eher als einziges Lied betrachten möchte, da jedes Lied mit dem nächsten nahtlos übergeht und so das gesamte Album ohne Unterbrechung in einem Stück gehört werden kann - präsentiert einem einen Höhepunkt nach dem anderen mithilfe von vertrauten Liedern von einer dennoch komplett anderen Seite. Daft Punk zeigt, dass ihre verschiedenen Kreationen Hand in Hand gehen können und das es sich auch noch verdammt gut anhört. Es bleibt einem keine Zeit zum Ausruhen, denn gerade dann, wenn man wieder Luft in den Lungen hat, nimmt einen die Musik wieder mit und wirft einen ein weiteres Mal hoch hinauf.
Bei jedem erneuten Anhören steigt die Freude und Erwartung auf die Höhepunkte erneut ins unermessliche, sodass man nicht mehr still sitzen möchte. Es ist immer wieder ein Genuss, immer wieder wie als ob man den wohltuenden Klängen von Gott lauschen würde.
Daft Punk hat einen Grund, warum sie ihre Konzerte in einer Pyramide abhalten.
Sie sind eben wahrhaftig Gott.